Latexkleidung, Latexwear oder auch Latex-Ware bezeichnet Kleidungsstücke, die aus
(Natur-)Gummi bzw. Latex gefertigt sind. Des Weiteren versteht man darunter auch eine besondere Art des Fetischismus, die sich mit dem Tragen von Kleidungsstücken aus Latex befasst.
Das Verlangen oder die schlichte Versuchung, etwas anzuziehen, das aus Latex besteht, fasziniert die Menschen schon seit einigen Jahrzehnten. Dies liegt wahrscheinlich an der Anschmiegsamkeit des Materials in Verbindung mit der gesellschaftlichen Ansicht zu diesem Thema.
Latex in der Öffentlichkeit
Latex gilt, obwohl es sich definitionsgemäß nicht von anderen Textilwerkstoffen unterscheiden dürfte, gesellschaftlich noch nicht als salonfähig, d.h. Latex-Liebhaber können nicht in reiner Latexbekleidung am öffentlichen Leben teilnehmen. Es ist natürlich nicht illegal, Latex in der Öffentlichkeit zu tragen, aber man riskiert trotzdem polizeiliche Unannehmlichkeiten wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ oder ähnlichem. Ein weiterer Reiz dürfte das „Nackt-und-doch-nicht-nackt“-Gefühl sein, das einem beim Tragen von Latex widerfährt: dünnes Latex paust jede noch so kleine Falte auf die Oberfläche des Trägers. Als Träger fühlt man sich nach kurzer Eingewöhnung quasi nackt.
Im Bereich der Erotikindustrie wird in den letzten Jahren verstärkt Achtsamkeit auf diese Art von Kleidung gelegt. Die offensichtliche „Außergewöhnlichkeit“ der Bekleidung, wird insbesondere von der Hardcore-Porno-Sparte geschickt genutzt, um die „gespielte Welt“ noch weiter von der wirklichen Realität abzugrenzen, und damit den Zuschauer zu fesseln. Gerade in diesem Bereich trennt sich in der Riege der „Porno-Schauer“ schnell die Spreu vom Weizen:
Viele Leute identifizieren in pornographischen Videos oder Musikvideo-Clips gesehene Kleidungsstücke aus Lack, Lycra etc. allesamt als Latex. Frei nach dem Motto, alles was eng ist, muss aus Latex sein! Nicht so die echten Latexfans, die oft schon auf den ersten Blick erkennen, ob Latex oder einer der anderen Stoffe gezeigt wird.
Viele Leute verbinden Latex automatisch mit BDSM-Szenarien (Fesselungen, Masken und körperliche Züchtigungen). Auch das hat grundsätzlich nichts mit Latexbekleidung zu tun und stößt manchen Latexliebhaber sogar ab.
Für viele Interessierte gestaltet sich der Weg vom Wissen um Latex bis zum ersten Tragen meist äußerst steinig:
Hauptproblem: Gesellschaftliche Achtung scheint zu wanken! Ein abendlicher Discobesuch in Latex bleibt meistens nur Theorie. Zu groß ist die unterschwellige Furcht, von Kollegen/Freunden/etc. erkannt und ausgelacht zu werden. Wobei es die Damen in dieser Hinsicht sehr viel einfacher haben, da bei ihnen das Tragen enganliegender und/oder glänzender Kleidungsstücke in der Disco gesellschaftlich akzeptiert ist.
2. Problem: Der Kostenfaktor. Als Beispiel sei hier nun die Rede von einem Ganzanzug. Dieser kostet in vernünftiger Qualität, maßgeschneidert, etwa 300 - 500 €. Viele Anfänger lassen sich dadurch abschrecken und greifen eher zu billigen Fernostprodukten (80 - 150 €), die jedoch von der Haltbarkeit den maßgeschneiderten Kleidunsstücken weit hinterher sind.
Das Tragen von Latexkleidungsstücken wird von Trägern und Trägerinnen durchweg als sehr stark anregend empfunden. Dies schließt eine sexuelle Ebene nicht unbedingt aus.
Arten von Latexkleidung
Getauchte Ware
Hierbei wird eine Form aus Keramik oder dgl. in ein Bad aus flüssigem Latex getaucht und danach herausgezogen. Hierbei bildet sich eine Schicht von ca. 0,05-0,1 mm. Um die gewünschte Dicke des Materials zu erreichen, wird ggf. mehrfach getaucht. Nachteile dieser Verfahrensweise sind:
Schwankende Materialstärke (d.h. schwankende Reißfestigkeit)
Jedes Kleidungsstück passt nur der Person, der die Form nachempfunden wurde. Deshalb bieten solche Artikel allen anderen Leuten nur selten eine zufriedene Passform.
Geklebte Ware
Hier wird das Kleidungsstück aus Bahnen von bereits fertigem Latex geschneidert. Der Preis ist meist um ein Vielfaches höher als bei getauchter Ware. Die Festigkeit und damit die Haltbarkeit des Materials übertrifft die getauchter Ware allerdings bei weitem, was den höheren Preis rechtfertigt.
Konstante Materialstärke und somit auch gleichbleibende Festigkeit und Haltbarkeit der Kleidung.
Das Kleidungsstück kann von einem Schneider perfekt an die Figur des Kunden angepasst werden.
Materialstärken
Typische Werte der Materialstärke liegen bei getauchtem Material zwischen 0,25 mm und 0,75 mm. Bei geklebten Stücken liegt die am häufigsten verarbeitete Stärke zumeist bei 0,15-0,35 mm. In Stärken von 0.6-0.9 mm werden zumeist (wegen der nachlassenden Elastizität des Materials) nur Mäntel und Assecories wie z.B Gürtel gefertigt.
Die Dicke des Gummis wird neben der Dehnungsfähigkeit meist als Maßeinheit für den Tragekomfort angesehen. So werden beispielsweise Strümpfe aus 0,35 mm Material gefertigt. Es bietet durch seine Dicke die entsprechende Reißfestigkeit (insbesondere an den stark belasteten Fersen), die vom Material erwartet wird. Geklebte Stücke, wie z.B. sehr teure Catsuits werden oft aus dünnerem, 0,15-0,3 mm dicken Material gefertigt. Die dünnere Schichtdicke ermöglicht einen wesentlich höheren Tragekomfort, insbesondere, wenn die Kleidung während der „normalen täglichen Beschäftigung“ getragen werden soll (z.B ein Latexcatsuit unter Rollkragenpullover und langer Jeans). Für viele Trägerinnen und Träger stellt genau dieses verdeckte Tragen einen besonderen Reiz dar. Von Kollegen und Umwelt unerkannt latexumhüllt arbeiten zu gehen verstärkt den Reiz der „zweiten Haut“ für viele Liebhaber noch zusätzlich.
Pflege von Latexkleidung
Latexbekleidung trägt sich zwar wie normale Kleidung, die Pflege ist jedoch um einiges aufwändiger:
Latexbekleidung sollte nach jedem Tragen gründlich mit einem geeigneten Waschmittel gereinigt werden. Im Fachhandel gibt es dafür bereits fertige Reinigungsprodukte.
Latexbekleidung sollte immer einzeln gelagert werden, d.h. jedes einzelne Stück sollte idealerweise hängend im Schrank verweilen, da sich Knicke u.U. nicht mehr entfernen lassen.
Latexbekleidung sollte immer ausreichend talkumiert/silikoniert sein um eine lange Elastizität zu gewährleisten.
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